Das Grundverständnis von Positive Health

Der pathogenetische Ansatz

Der Begriff der Gesundheit wird in der klassischen Medizin als eine Abwesenheit von Krankheit, Beschwerden oder Leiden definiert. Dieses dichotome Verständnis teilt den Menschen in zwei Kategorien ein: krank oder gesund. Der Fokus liegt dabei auf der Entstehung, Prävention und Behandlung von Krankheiten sowie deren Risikofaktoren. Dieses krankheitsorientierte Verständnis der Pathogenese greift zu kurz. Es erklärt nicht, warum sich manche Menschen trotz einer Erkrankung als gesund empfinden oder wie es bestimmten Personen gelingt, mit belastenden Situationen gut umzugehen, während andere unter vergleichbaren Bedingungen leiden (Mortsiefer & van den Brekel-Dijkstra, 2024).

Der salutogenetische Ansatz

 Im Vergleich dazu, stellt der Ansatz der Salutogenese die Entstehung von Gesundheit und die Stärkung von Bewältigungsressourcen auf individueller, sozialer und ökologischer Ebene in den Vordergrund. Gesundheit und Krankheit sind keine festen Zustände, sondern bilden ein Kontinuum. Der Mensch bewegt sich stetig auf diesem Kontinuum und kann trotz Erkrankung auch gesunde Anteile besitzen. Dieser dynamische Prozess hängt stark davon ab, wie gut Menschen angesichts Gefährdungen und Stressoren einen aktiven Gleichgewichtszustand herstellen, aufrechterhalten und jene negativen Einwirkungen bewältigen können (Mortsiefer & van den Brekel-Dijkstra, 2024).

Positive Health: Ein erweitertes Gesundheitskonzept

Das Konzept Positive Health knüpft unmittelbar an der salutogenetischen Perspektive an. Statt nach Defiziten und Problemen zu fragen, richtet sich der Blick auf die Fähigkeiten und Ressourcen, die Menschen im Alltag stark machen. Dieses erweiterte Gesundheitsverständnis von Gesundheit trägt dazu bei, dass Menschen körperliche, emotionale und soziale Herausforderungen im alltäglichen Leben besser bewältigen und selbstbestimmt über ihre eigenen Angelegenheiten entscheiden können.

Positive Health umfasst sechs zentrale Dimension, die gemeinsam ein umfassendes Bild von Gesundheit zeichnen: 

Quelle: https://positivehealth-international.com/dialogue-tools/

Durch die systematische Bewertung und Reflexion dieser Dimensionen wird das Wissen über die eigene Gesundheit erweitert und die Kontrolle über gesundheitsrelevante Faktoren gefördert. Dies ermöglicht es Menschen, gezielt Veränderungen vorzunehmen, die ihr Wohlbefinden steigern (Mortsiefer& van den Brekel-Dijkstra, 2024). Es wird sichtbar - Gesundheit ist weit mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Gesundheit manifestiert sich in der Fähigkeit, trotz vorhandener Belastungen und Einschränkungen ein Leben zu führen, das als sinnvoll, erfüllend und selbstbestimmt erlebt wird (Burke et al., 2024).